Gemeinsam ist besser als allein

Kreissportbund Minden-Lübbecke

Minden-Lübbecke. Peter Ullrich hat sein Leben lang Sport getrieben. Der ehemalige Berufsschullehrer hat nicht nur den schwarzen Gürtel im Judo, sondern den rot-weißen (6. DAN). Ullrich ist Ehrenmitglied beim Judo-Club Bad Oeynhausen und in seiner Sportart in Nordrhein Westfalen durchaus ein bekannter Mann. Das alles aber ist Geschichte, denn der 69-Jährige leidet unter Demenz, diagnostiziert vor zwei Jahren. Sport macht er dennoch, gemeinsam mit seiner Frau Karin geht er regelmäßig in die neue Sportgruppe von Barbara Quade.

Anspruchsvolle Trainingskonzeption
Die Diplom-Pädagogin ist die Trainerin von „Sport und Bewegung für Menschen mit Demenz und deren Angehörige und Freunde“. Die 55-jährige Lübbeckerin verfügt über reichlich Erfahrung als Übungsleiterin und hat sich im Bereich Sport und Demenz weitergebildet. Die Konzeption und Umsetzung der anderthalbstündigen Übungsabende in der Sporthalle der Regenbogenschule in Lübbecke ist äußerst anspruchsvoll, denn nicht alle Teilnehmer sind sportlich derart vorgebildet wie Peter. Das sei auch nicht notwendig, wie Olaf Wittkamp vom Kreissportbund Minden-Lübbecke (KSB) betont. „Die neue Sportgruppe eignet sich gleichermaßen für Menschen mit und ohne sportliche Erfahrung“, sagt der Diplom-Sportwissenschaftler und Sportreferent „Gesundheitssport/Sport der Älteren“.

“Niemand soll alleine für sich Sport machen”
Barbara Quade steht als praktische Trainerin aber dennoch vor der Herausforderung, keinen der Teilnehmer zu überfordern oder zu unterfordern. Dabei muss sie ihre Sportlerinnen und Sportler dort abholen, wo sie körperlich und geistig gerade sind und gleichzeitig auf die richtige Zusammenstellung der Übungsgruppen achten. Sie und ihre Kolleginnen schaffen diese Gratwanderung immer wieder. Beinahe ausnahmslos bieten sie Gruppenaktionen an. „Niemand soll alleine für sich Sport machen“, sagt Barbara Quade. Das Training fordert die Teilnehmer sowohl geistig als auch körperlich: Bewegung, Koordination, Aufmerksamkeit. Aber es gibt auch Rituale, wie zum Beispiel den Stuhlkreis zu Beginn, um alle Teilnehmer zu begrüßen und einzustimmen. „Wir beginnen meistens mit einer Übung, die etwas mit Erinnerung zu tun hat“, sagt die Trainerin.

Kreissportbund Minden-LübbeckeAngehörige und Freunde machen mit
Besonders ist, dass die Teilnehmer ihre Angehörigen und Freunde mitbringen dürfen, aber nicht müssen. „Es tut vielen Angehörigen sicherlich gut, mal aus dem Alltag herauszukommen und zu sehen, was ihre erkrankten Familienmitglieder oder Freunde tatsächlich noch leisten können. Das ist manchmal erstaunlich, und ich denke mir dann, man muss sie gar nicht so betüddeln“, sagt Barbara Quade. Die Angehörigen und Freunde seien aber nicht dafür da, um sich während der Sportstunde um ihren erkrankten Partner zu kümmern, sondern sie sollen selber für sich Sport machen. Das ist auch der Grund, warum Barbara Quade das Training nie alleine leitet, sondern immer eine speziell ausgebildete Helferin mit dabei hat. In Lübbecke stehen ihr Barbara Radszuhn und Gudrun Otte zur Seite.”Das Training gefällt uns gut”, werten Karin und Peter Ullrich.

Ein Pilotprojekt
Das neue Angebot „Sport und Bewegung für Menschen mit Demenz und deren Angehörige und Freunde„ ist ein Pilotprojekt, das Ende Oktober dieses Jahr gestartet ist. Getragen wird es vom Kreissportbund Minden-Lübbecke, dem Verein BSG (Bewegung, Sport, Gesundheit) und der Alzheimergesellschaft „Leben mit Demenz“ Minden-Lübbecke. Durch die vielfältigen Angebote und den Beratungsgesprächen der Alzheimergesellschaft werden die potentiellen Teilnehmer auch auf die neue Sportgruppe aufmerksam. Bei Susanne Windhorst von „Leben mit Demenz“ laufen in Lübbecke die Fäden zusammen. „Die Leute kommen freiwillig auf mich zu, und wir führen zunächst ein Erstgespräch, bei dem ich die Sportgruppe konkret vorstelle. Für die Teilnahme daran ist allerdings Voraussetzung, dass die Demenz diagnostiziert ist“, sagt Windhorst. Außerdem versucht sie, die körperlichen und geistigen Fähigkeiten des potenziellen Sportlers einzuschätzen. Für Betroffene, die zum Beispiel einen Rollator brauchten, sei die neue Sportgruppe nicht geeignet.

Wissenschaftlich belegt
Dass Sport sich positiv auf den Krankheitsverlauf der bislang unheilbaren Demenz auswirkt, sei mittlerweile wissenschaftlich belegt, wie Olaf Wittkamp vom Kreissportbund Minden-Lübbecke sagt. Er ist auch gerne bereit, weitere Auskünfte zu erteilen. Seine Telefonnummer lautet (05 71) 82 90 755.

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