“Es macht mir viel Freude”

Kreissportbund Minden-Lübbecke: Sport, Bewegung und Demenz; der an Demenz erkrankte Bernd Eckardt (l.) und sein Begleiter Eberhard Maskus fahren im Zweier-Kanu auf der Weser von Porta Westfalica nach Minden // Diplom-Volkswirt Jürgen Krüger, Lavelsloher Straße 31, 32469 Petershagen // Telefon 0049 1718389291 // Email: post@juergen-krueger.de // www.juergen-krueger.de

Los geht’s: Bernd Eckardt (l.) und Eberhard Maskus sitzen im Kanu und paddeln von Barkhausen nach Minden. Foto: Jürgen Krüger

Eberhard Maskus begleitet Menschen, die an Demenz erkrankt sind, beim Sport. Der Verein Leben mit Demenz braucht mehr von diesen Begleitern.

Kreis Minden-Lübbecke. Eberhard Maskus hat früher bei Tönsmeier im Büro gearbeitet, ging aber aufgrund einer Erkrankung frühzeitig in der Ruhestand. “Da war ich auf der Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung”, sagt der heute 64-Jährige. Seit sechs Jahren begleitet der Mindener Menschen, die an Demenz erkrankt sind, beim Sport: Eberhard Maskus betreut zwei Radgruppen in Minden und Lübbecke und übernimmt mehrere Einzelbetreuungen. Bei Kanutouren ist er regelmäßig als Begleitperson im Einsatz. Mehrere Stunden in der Woche ist er unterwegs, hilft so den Betroffenen Sport zu treiben und tut sich selbst etwas Gutes. “Die Begleitung macht mir viel Freude. Außerdem bin ich selber aktiv, und fahre meistens sogar mit dem Fahrrad zu den Einsatzstellen, wenn sie im Umkreis von 20 Kilometer sind”, sagt Eberhard Maskus.

Kanu-Klub Minden bietet regelmäßig Touren an
Auch Bernd Eckardt fährt gerne Fahrrad, allerdings nicht in einer der Gruppen von Eberhard Maskus, sondern in einer in Bad Oeynhausen. Jetzt trafen sich die beiden Männer erstmals in Porta Westfalica-Barkhausen, um gemeinsam am sog. “Mittwochspaddeln” teilzunehmen – einem seit Jahrzehnten bestehenden öffentlichen Angebot des Kanu-Klub Minden, an dem seit drei Jahren auch regelmäßig Menschen mit Demenz teilnehmen können. “Kanufahren war immer schon mein Traum, aber ich hatte es bislang noch nicht geschafft. Irgendetwas kam immer dazwischen”, sagt Bernd Eckardt, bei dem vor einem Jahr Demenz diagnostiziert wurde. Der heute 67-Jährige freut sich auf die Tour,  die ohne die Kooperation des Kanu-Klub Minden und des Vereins Lebens mit Demenz und der Begleitung von Eberhard Maskus wohl ein Traum geblieben wäre. Beide lassen das Boot am Kanuanleger in Porta Westfalica in die Weser, steigen ein und fahren los. Rund eine Stunde dauert die Fahrt bis nach Minden.

Gemeinsame Sache: Bernd Eckardt (vorne) und Eberhard Maskus tragen das Kanu vom Kanu-Anleger in Barkhausen zur Weser.

Gemeinsame Sache: Bernd Eckardt (vorne) und Eberhard Maskus tragen das Kanu vom Kanu-Anleger in Barkhausen zur Weser. Foto: Jürgen Krüger

“Irgendwann ging es nicht mehr”
Zeit genug für Astrid Eckardt, seit 42 Jahren mit Bernd Eckardt verheiratet, ihre Geschichte zu erzählen. “Ich habe die ersten Anzeichen der Krankheit zwar bemerkt, aber verdrängt und sogar versucht, anderen gegenüber zu überspielen. Bis es irgendwann nicht mehr ging”, sagt die 61-Jährige. Bernd Eckhardt ist ein intelligenter Mann, der sein Leben stets im Griff hatte und viel arbeitete. Geboren ist er in Herford, lernte bei der Bundeswehr Fotografie, ist ausgebildeter Bürokaufmann und volontierte beim Herforder Kreisblatt zum Lokalredakteur. Er arbeitete beim Mindener Tageblatt, beim Vlothoer Anzeiger und als Redaktionsleiter beim Schaumburger Wochenblatt, zuletzt bei der Pressestelle eines EDV-Spezialisten. Seine große Passion ist Autocross. Viele Jahre lang war Bernd Eckardt Pressesprecher des MSC Löhne, seit Jahrzehnten bringt er die Zeitschrift “CrossSport” heraus. Das macht er heute auch noch, allerdings mit Hilfe seiner Frau und Freunden. Unterstützung und Begleitung sind wichtige Themen im Leben des Ehepaares geworden, das zwei erwachsene Kinder hat, und seit 1978 in Porta Westfalica-Lohfeld zu Hause ist. Das Vergessen, das mit dem Nachlassen des Kurzzeitgedächtnis einhergeht, verändert und bestimmt den Alltag zunehmend. Deshalb ist Astrid Eckardt auch froh, dass es Menschen wie Eberhard Maskus gibt. “Wir sind der Alzheimergesellschaft so dankbar. Dort fühlen wir uns angenommen und ernst genommen”, sagt sie und fügt hinzu. “Die große Hürde ist es nicht, die Krankheit zu erkennen und irgendwie damit umzugehen. Die große Hürde ist, sie anzunehmen und sich professionelle Hilfe zu holen.” Dann muss sie los, denn ihr Ehemann und sein Begleiter dürften gleich mit dem Kanu in Minden angekommen sein.

Der Weg zum Begleiter

  • Der Kanu-Klub Minden und “Leben mit Demenz” unternehmen seit 2011 regelmäßig Kanutouren mit Menschen, die von Demenz betroffen sind.
  • Gesucht werden Begleiter für Kanu, aber auch für Radfahren und für Bewegung, Gymnastik und Menschen, die Fahrdienste übernehmen.
  • Der Kreissportbund Minden-Lübbecke (KSB) und der ADFC Minden-Lübbecke arbeiten seit vielen Jahren mit “Leben mit Demenz” zusammen und bieten gemeinsam Qualifizierungen für Sportbegleiter bzw. Radbegleiter an.
  • “Am besten ist es, ein paar mal in die Begleitung mit hinein zu schnuppern – wie beim Sport selber auch. Alles weitere findet sich dann”, sagt Hartmut Schilling von der Alzheimergesellschqaft. Der 60-Jährige ist erster Ansprechpartner und erteilt gerne weitere Auskünfte. Seine Telefonnummer lautet (05 71) 6 48 35 46. Email: schilling@leben-mit-demenz.info

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