Die Helden des TuS Nettelstedt

Vierzig Jahre später: Die erfolgreichen Handballer des TuS Nettelstedt von 1975 mit Milan Lazarevic (hintere Reihe v. l.), Wolfgang Wischmeyer, Herbert Nottmeier, Reinhard Hülsmeyer, Jürgen Schulenburg, Günther Rubin, Friedel Westerhoff, Heinz Becker, Herbert Lübking; Horst Selle (vordere Reihe v. l.), Thomas Falkenthal, Heiner Möller, Willi Möhle, Hans Schnepel, Jürgen Glombek und Organisator Christian Hucke (Vorstand TuS Nettelstedt). Es fehlen Rainer Gosewinkel, Heinz Kottkamp, Hans Hucke und der damalige Trainer Erich Klose. FOTO: JÜRGEN KRÜGER

Vierzig Jahre später: Die erfolgreichen Handballer des TuS Nettelstedt von 1975 mit Milan Lazarevic (hintere Reihe v. l.), Wolfgang Wischmeyer, Herbert Nottmeier, Reinhard Hülsmeyer, Jürgen Schulenburg, Günther Rubin, Friedel Westerhoff, Heinz Becker, Herbert Lübking; Horst Selle (vordere Reihe v. l.), Thomas Falkenthal, Heiner Möller, Willi Möhle, Hans Schnepel, Jürgen Glombek und Organisator Christian Hucke (Vorstand TuS Nettelstedt). Es fehlen Erwin Heuer, Rainer Gosewinkel, Heinz Kottkamp, Hans Hucke und der damalige Trainer Erich Klose. FOTO: JÜRGEN KRÜGER

Lübbecke. Auch wenn die Geschichte schon so oft erzählt wurde, so ändert das nichts an ihrer Einmaligkeit. Von 1970 bis 1976 schafften es die Handballer vom TuS Nettelstedt mit sechs Aufstiegen in Folge von der Kreisklasse bis in die Bundesliga (Hallenhandball). Nur einmal haben sie in dieser Zeit verloren – das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft im Feldhandball. Nach vierzig Jahren trafen sich die Helden vom TuS Nettelstedt wieder.

Christian Hucke organisiert das Treffen
Organisiert hat die Zusammenkunft Christan Hucke, erster stellvertretender Vorsitzender des TuS Nettelstedt und gleichzeitig Handball-Abteilungsleiter. „Die Idee dazu hat sich so ergeben. Eigentlich wollten wir das Treffen beim Stadtfest durchführen, doch das passte terminlich bei einigen nicht“, sagt der 45-Jährige, der reichlich Lob von der 1975er Mannschaft bekam. „Dass Christian es hinbekommen hat, ein solches Treffen kurz vor Weihnachten zu organisieren, ist sensationell“, sagt zum Beispiel Herbert Lübking. Der heute 74-Jährige gehört sicherlich zu den tragenden Persönlichkeiten, die den kometenhaften Aufstieg des TuS Nettelstedt seinerzeit ermöglichten. Der ewige Feldhandball-Weltmeister von 1966 (mit Erwin Heuer) galt zu seiner aktiven Zeit als der beste Feldhandballspieler der Welt. Mit Grün-Weiß Dankersen holte er 1967 und 1970 die Deutsche Meisterschaft im Feldhandball und dreimal den Europokalpokal an die Weser.

Herbert Lübking wechselt nach Nettelstedt
Nach dem Titelgewinn 1970 gab der Rekord-Nationalspieler bekannt, zum TuS Nettelstedt wechseln zu wollen. Der Verein spielte damals in der Kreisklasse. Ein Jahr zuvor waren schon Jürgen Glombek und Erwin Heuer dem Ruf des Modeunternehmers Hans Hucke, Vater von Christian Hucke, gefolgt. Und auch das Dankerser Trainer-Denkmal Erich Klose schloss sich dem aufstrebenden Klub vom Wiehen an. Erich Klose, der im Februar 90 Jahre alt wird, musste seine Teilnahme am Treffen absagen, genauso wie Erwin Heuer, Hans Hucke, Rainer Gosewinkel und Hermann Arning. Gestorben sind mittlerweile Helmut Hucke, der damalige Betreuer Willi Möller sowie Handball-Obmann Willi Kottkamp.

Mit Oldtimer-Bus von Bare zum Schloss Benkhausen
Alle anderen sagten zu und erschienen auch. Die weiteste Fahrt hatte Milan Lazarevic auf sich genommen. Der Olympiasieger von 1972 (Jugoslawien) lebt heute in Nürnberg und musste abends auch wieder zurück, da über Weihnachten ein Termin in Belgrad anstand. Die Nettelstedter Helden trafen sich zunächst am Gänsemarkt in Lübbecke und fuhren dann mit dem Oldtimer-Bus von Barre zum Schloss Benkhausen in Espelkamp. Bei Kaffee und Kuchen kamen natürlich die alten Geschichten auf den Tisch, unter anderem die vom Endspiel um die letzte Deutsche Feldhandball-Meisterschaft.

„Wir haben 7:0 geführt, und dann war der Ofen aus“
Der TuS Nettelstedt war seinerzeit am Sonntag, 10. August 1975, gegen die TSG Haßloch klarer Favorit. Die Zahlen schwanken zwar, aber zwischen 8.000 und 10.000 Zuschauer sollen sich damals im Stadion Obernfelder Allee bei 40 Grad im Schatten eingefunden haben. Anwurf der Partie war übrigens um 10.45 Uhr. „Wir haben mit 7:0 geführt und hatten zwei weitere gute Wurfchancen, darunter einen Lattentreffer von Jürgen Glombeck“, sagt Herbert Lübking rückblieckend. „Doch dann war der Ofen aus.“ Nettelstedt verlor mit 14:15, feierte aber dennoch, als hätten sie die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Am 3. April 1976 schaffte der TuS Nettelstedt durch einen 27:20-Erfolg im Rückspiel gegen Leverkusen den Aufstieg in Hallenhandball-Bundesliga und legte damit den Grundstein für Bundesliga-Handball im Lübbecker Land.

Besuch beim Bundesligaspiel
Nach dem Klönschnack im Schloss Benkhausen fuhren die Handballhelden mit dem Barre-Vehikel zur Merkur-Arena zum Bundesligaspiel zwischen dem TuS N-Lübbecke und dem HSV Hamburg (27:30). Beim HSV spielt mit Stefan Schröder der Handballer, der den 40 Jahre lang von Herbert Lübking gehaltenen Torrekord in einem Bundesligaspiel gebrochen hat. Lübking hatte für Grün-Weiß Dankersen spielend am 11. Januar 1969 gegen Hildesheim 20 Treffer erzielt. Stefan Schröder vom HSV Hamburg brachte es am 6. Juni 2009 im Spiel gegen den Strahlsunder HV auf 21 Tore.

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