Das Ende für den “German Sonderweg”

Warum sich Vereine rechtzeitig mit der SEPA-Lastschrift vertraut machen sollten

SEPA-Lastschrift

Es gibt einiges zu tun: Eine Checkliste hilft bei der Umstellung auf das SEPA-Lastschriftverfahren. FOTO: JÜRGEN KRÜGER

Bad Oeynhausen (jk). Es hört sich an wie ein indischer Mädchenname, ist aber ein europäisches Kind: SEPA. Der einheitliche Zahlungsverkehr wird am 1. Februar 2014 die nationalen Regelungen ablösen. Und das hat Folgen, insbesondere für „The German Sonderweg“ – das in Deutschland bei vielen Vereinen, Organisationen und Unternehmen beliebte Lastschriftverfahren. „Darauf sollte sich jeder vorbereiten, insbesondere die Vereine“, sagt Sparkassenbetriebswirt Harald Weber, Leiter Zahlungsverkehr bei der Stadtsparkasse Bad Oeynhausen.

Die International Bank Account Number (IBAN) ersetzt künftig die gute alte Kontonummer, die Bankleitzahl heißt dann Bank Identifier Code (BIC) und die Datenträger-Austausch-Diskette (DTA), um die Lastschriften seiner Vereinsmitglieder einzureichen, landet im Mülleimer. Auch das Lastschriftverfahren mit Beleg, persönlich und vor Ort, ist dann Geschichte.

SEPA-Lastschriftverfahren nur online

„Das SEPA-Lastschriftverfahren wird ausschließlich online abgewickelt“, so Weber. Spätestens an dieser Stelle dürfte den Vereinsvorständen, die sich mit der Mitgliederverwaltung beschäftigen, der Hals etwas anschwellen. Alle Datensätze müssen aktualisiert werden, und wer kein modernes Vereinsverwaltungsprogramm einsetzt, der muss sich IBAN und BIC für jedes Mitglied besorgen und jede Lastschrift zumindest einmal einzeln online anlegen.

Neue Einzugsermächtigungen nicht notwendig

Das Positive: Neue Einzugsermächtigungen sind nicht notwendig. „Darauf haben die Deutschen bei den Verhandlungen gedrängt. Man darf nicht vergessen, dass es so ein Lastschriftverfahren wie unseres bislang in den anderen Ländern der EU nicht gegeben hat“, sagt Weber. Das deutsche Lastschriftverfahren ist nur noch möglich bis zum 31. Januar 2014, einen Tag später tritt SEPA an dessen Stelle. „Spätestens bis zu diesem Tag sollten die Vereine ihre Umstellung erledigt haben, besser schon vorher“, rät der 57-Jährige, der anhand der bisherigen Resonanz ahnt, dass die wenigsten Vereine das Thema auf dem Schirm haben. Hier eine SEPA-Checkliste für Vereine:

Schritt 1: Gläubiger-ID beantragen

Die Deutsche Bundesbank vergibt die Gläubiger-Identifikationsnummer (Creditor Identifier). Der Antrag kann ausschließlich über die Internet-Seite der Deutschen Bundesbank (www.glaeubiger-id.bundesbank.de) gestellt werden. Eine schriftliche oder telefonische Antragstellung ist nach Angaben der Deutschen Bundesbank nicht möglich.

Schritt 2: Anpassung der EDV
Überprüfen, ob die Vereinsverwaltungssoftware SEPA-fähig ist. Dazu gehört, dass das Programm den SEPA-Zahlungsverkehr untersützt, die Gläubiger-ID hinterlegt werden kann, eine Mandatsverwaltung vorhanden ist und dass das Programm die vorhandenen Kundenkennungen (Kontonummer und Bankleitzahl) in IBAN und BIC konvertieren kann.

Schritt 3: Änderung der Daten
Gläubiger-ID in den Stammdaten der Vereinsverwaltungssoftware hinterlegen, alte Kundenkennungen in IBAN und BIC konvertieren, begrenzen des Verwendungszwecks auf 140 Zeichen. Vereine, die aufgrund geringer Mitgliederzahlen keine Vereinsverwaltungssoftware einsetzen, müssen sich IBAN und BIC von den Mitgliedern besorgen. Dasselbe gilt für Mitgliederdaten, die das Vereinsverwaltungsprogramm nicht automatisch konvertieren kann. Eindeutige und individuelle Mandatsreferenznummer je Vereinsmitglied erstellen. Briefbögen und andere Korrespondenzmittel mit der eigenen IBAN und BIC ausstatten. Das gilt auch für Angaben auf den Internetseiten.

Schritt 4: Information an die Mitglieder
Die Vereinsmitglieder müssen schriftlich informiert werden, dass der Verein ab einem bestimmten Datum, spätestens bis zum 1. Februar 2014, das SEPA-Lastschriftverfahren einführt. Die erteilten Einzugsermächtigungen bleiben gültig. Neben dem Umstellungsdatum sind vorgeschrieben, den Mitgliedern die Gläubiger-ID des Vereins sowie die eigene Mandatsreferenznummer mitzuteilen. Tipp: Den Überweisern IBAN und BIC des Vereins mitteilen. Die Angaben stehen auf dem Kontoauszug.

Schritt 5: Lastschrift durchführen
Einzellastschriften müssen einmal online erfasst werden. Bei Sammellastschriften ersetzt der Upload der Exportdatei die Übergabe der DTA-Diskette an die Bank.

Bei Unsicherheit und Fragen stehen die Bankberater ihren Kunden zur Seite. So wie Harald Weber bei der Stadtsparkasse Bad Oeynhausen, die sich gegen Masseninformationsveranstaltungen entschieden hat, sondern jeden Verein einzeln betreuen möchte.

Info: Europäischer Zahlungsverkehr
• SEPA: Single Euro Payments Area – Einheitlicher Europäischer Zahlungsraum. In diesem Zahlungsraum sollen für Kunden keine Unterschiede mehr zwischen nationalen und grenzüberschreitenden Zahlungen erkennbar sein.
• IBAN: Die „International Bank Account Number“ ersetzt die Kontonummer. In Deutschland besteht die IBAN aus 22 Stellen und enthält die Länderkennung „DE“, eine zweistellige Prüfziffer sowie den Kontoinformationen des Kontoinhabers (bisherige Bankleitzahl und Kontonummer).
• BIC: Der „Bank Identifier Code“ löst die bisherige Bankleitzahl ab und beinhaltet Informationen zum Bankinstitut, die Länderkennung und eine örtliche Codierung.
• Fristen: Ungeachtet spezieller Übergangsfristen sind ab dem 1. Februar 2014 Überweisungen und Lastschriftverfahren nur noch mit IBAN und BIC möglich.

Der Artikel ist erschienen am Freitag, 14. Juni 2013 in der Neuen Westfälischen Zeitung (Lokalsport Bad Oeynhausen, Löhne, Bünde, Herford, Lübbecke), Link zu nw-news, Seite: Download PDF

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.