Bestanden mit Bestnote

 Mitten drin: Sascha Traue stimmt mit seiner Handpuppe "Fuchsi" und der Gruppe vom Wittekindshof ein gemeinsames Lied an. FOTO: JÜRGEN KRÜGER

Mitten drin: Sascha Traue stimmt mit seiner Handpuppe “Fuchsi” und der Gruppe vom Wittekindshof ein gemeinsames Lied an. FOTO: JÜRGEN KRÜGER

Wie Sascha Traue Jugendliche vom Wittekindshof und seine Prüfer begeistert // Mehr Fotos zum Thema

Petershagen. „Fuchsi ist mein Freund“, sagt Nico. Der 22-jährige Schüler vom Wittekindshof in Bad Oeynhausen ist stolz wie Oskar, denn er darf die Handpuppe von Sascha Traue tragen. Die Stimmung ist demnach prächtig, dabei stecken Fuchsi, Nico und Sascha Traue im Mindener Wald mitten in einer Prüfung zum zertifizierten Waldpädagogen. Der 40-jährige Jäger wird die Prüfung mit der Bestnote von 1,0 bestehen. Und das hat seine Gründe.

„Das kann man nicht besser machen. Wie die Schüler bei der Sache waren, das schafft nur er. Absolut authentisch, sehr beeindruckend, eine wunderbare Prüfung“, schwärmt Margarete Greitemann. Die 57-Jährige aus Neheim ist erfahrene Grundschullehrerin und hat den pädagogischen Teil zu begutachten. An ihrer Seite achten Försterin Christiane Wiener aus Warburg und Dr. Gertrud Hein von der Natur- und Umweltschutzakademie NRW (Recklinghausen) auf den rund anderthalbstündigen Praxisteil der Prüfung zum zertifizierten Waldpädagogen.

Fuchsi öffnet sofort die Herzen
„Fuchsi“ öffnet sofort die Herzen der sechs Schülerinnen und Schüler der Klasse B5 vom Wittekindshof, ihren Lehrerinnen Christine Pollmeier, Heidi Schwachmeyer-Greinke und Christina de Jager, die ihre beiden Söhne Tristian und Kyle mitgebracht hat. Sascha Traue führt die Gruppe samt Bollerwagen vom Forsthaus in den Mindener Wald. Er möchte mit den Kindern und jungen Erwachsenen Musikinstrumente aus Materialien bauen, die sie vor Ort im Wald finden und ein die Prüfung abschließendes Konzert geben. An einer traumhaft schönen, mit genügend Licht durchfluteten Stelle im Wald stoppt der dreifache Familienvater. „Lasst uns eine Minute lang still sein, die Augen schließen und hören, wie der Wald spricht“, sagt Traue leise, als alle im Kreis stehen und sich an den Händen halten. Und es klappt tatsächlich: Eine Minute lang spricht nur der Wald, die Menschen sind still. „Ich habe einen Vogel gehört“, sagt Vanessa. Tim ergänzt: „Ich rieche die Blätter.“ Und Nico will ein Wildschwein vernommen haben, weshalb Sascha Traue ihn beruhigt: „Wildschweine gibt es hier im Wald zwar auch, doch die sind ganz weit weg.“

“Das nenne ich gelebte Inklusion pur”
In Kleingruppen bauen die Schüler Klanghölzer, Rasseln und ein Xylophon. Dann ist der große Moment da, das Konzert beginnt. Dirigent ist „Fuchsi“, der mit seinem Orchester das Lied „Gott hält die ganze Welt – in seiner Hand“ anstimmt. Am Ende legen selbst die drei Prüferinnen ihre Schreibmappen auf den Waldboden und applaudieren. „Es ist unglaublich, welche Empathie und welches Händchen Sascha Traue hat“, lobt Prüferin Gertrud Hein. „Tränen hatte ich in den Augen, als der behinderte Nico dem nicht-behinderten Tristan beim Sägen half. Das nenne ich gelebte Inklusion pur“, sagt Prüfling Traue einen Tag später. Da kennt er seine Traumnote von 1,0 bereits und freut sich, als nun zertifizierter Waldpädagoge beruflich seinen Weg zu finden.

Gläubiger Christ lebt alleine mit seinen drei Kindern
Sascha Traue ist gelernter Bankkaufmann und Landschaftsgärtner. Seit 13 Jahren besitzt er den Jagdschein und tourt mit der Rollenden Waldschule der Kreisjägerschaft Minden-Lübbecke durch die Lande. Im Lebenslauf des gebürtigen Friedewalders steht „Witwer“. Vor zwei Jahren verlor er seine Frau Tanja durch eine schwere Krankheit. Seitdem lebt der gläubige Christ mit seinen drei Kindern Svea (12), Reik (11) und Mads (7) allein in Hauskämpen bei Warmsen. Dreimal in der Woche arbeitet Sascha Traue im Waldorf-Kindergarten Sapelloh, ab dem Frühjahr wird er für die Kreisjägerschaft als Multiplikator Schulungen für Jägerinnen und Jäger durchführen.

Info
Zertifizierter Waldpädagoge
•Die Ausbildung bietet die Natur- und Umweltakademie NRW seit drei Jahren an. Sie umfasst 180 Unterrichtseinheiten und ein fünftägiges Praktikum.
•Zur Prüfung gehören ein Artentest, eine Klausur und der Praxisteil.
•In Nordrhein Westfalen gibt es knapp 100 zertifizierte Waldpädagogen, im Kreis Minden-Lübbecke davon vier: Carsten Bölts, Andreas Roefs, Antje Brandt, Sascha Traue.

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