“Ich bin kein Held”

Fabio-Benjamin Krüger // FOTO: JÜRGEN KRÜGER

Spendete Knochenmark: Fabio-Benjamin Krüger aus Friedewalde. FOTO: JÜRGEN KRÜGER

Petershagen-Friedewalde. Es ist eher Zufall, dass Fabio-Benjamin Krüger mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) zu tun bekommt. “Die Mutter eines Freundes hatte sich wegen eines Krebsfalles in der Nachbarschaft typisieren lassen, und dann haben wir uns ein Typisierungsset bestellt”, sagt der 21-jährige Student. Dass er mit dieser Entscheidung sehr wahrscheinlich das Leben eines zwölfjährigen amerikanischen Mädchens rettet, ahnt er damals im Sommer 2014 noch nicht. Nur einen Monat nach dem Speichel-Selbsttest bekommt er Post von der DKMS, seine Spende passe wahrscheinlich für einen an Leukämie erkrankten Patienten. Um jetzt ganz sicher zu gehen, muss er zur Blutabnahme. Die lässt Fabio von Tilo Polonius durchführen, der die Blutprobe zur DKMS sendet. Jetzt ist klar, dass Fabios Blut zu 100 Prozent passt. Eine weitere Blutabnahme, jetzt  bei seiner Hausärztin Olga Wiens, dient zur Überprüfung der Blutqualität.

Betreuung durch die DKMS “sensationell”
Im August 2014 ist es soweit: Fabio fährt nach Köln in die Cellex-Klinik. “Ich hatte mehrere Kliniken zur Auswahl”, sagt er. Der Eingriff unter Vollnarkose dauert eine dreiviertel Stunde, danach bleibt er noch eine Stunde im Bett und über Nacht zur Beobachtung. “Es fühlt sich an wie starker Muskelkater”, sagt Fabio rückblickend. Über Nacht wird seine Knochenmarspende mit dem Flugzeug in die USA transportiert. Fabio weiß, dass sie für ein zwölfjähriges, an Leukämie erkranktes Mädchen bestimmt ist. Vier Tage nach der Knochenmarkspende besucht Fabio mit seinen Freunden schon wieder ein Musikfestival – das Summerbreeze in Stuttgart. “Die Blutabnahme beim Arzt war schlimmer als die Entnahme des Knochemarkes”, wertet Fabio, dem aber noch ein ganz anderes Detail wichtig ist. “Die Betreuung durch die DKMS ist sensationell. Ich kannte immer den Stand der Dinge, wurde zu keiner Zeit gedrängt und hätte selbst noch kurz vor der Operation von meiner Spendenbereitschaft zurücktreten können.”

Er singt ihr einen Song von Luke Bryan
Der Kontakt zwischen Spender und Empfänger ist geregelt, wobei die DKMS vermittelt. Erst nach einer Sperrzeit von zwei Jahren dürfen sich beide persönlich treffen. Der Erstkontakt geht vom Empfänger aus, und bereits kurz vor Weihnachten kommt der erste Brief aus den USA. Mittlerweile gibt es mehrere Briefe. Die Inhalte sind privat, nur soviel – dem Mädchen geht es, auch nach einem zwischenzeitlichen Rückfall, gut. Luke Bryan ist ihr Lieblingssänger, und Fabio hat dann für sie Bryans Song “Rollercoaster” gesungen, musikalisch begleitet von Gerrit Helm. “Leider sind die Anonymitätsregeln der DKMS und anderer Knochenmarkspenderorganisationen sehr streng, weswegen ich es ihr nicht schicken durfte. Trotzdem wollte ich den Song schon lange einmal mit meinen Freunden teilen, um auf die Knochenmarkspende aufmerksam zu machen”, sagt er.

Fabios Facebookseite mit “Rollercoaster”

“Ich würde sie gerne mal sehen”, sagt Fabio und hofft, dass nach Ende der Sperrzeit ein Treffen mit der jungen Amerikanerin zustande kommt. Er selber möchte seine Geschichte in die Öffentlichkeit bringen, um auch andere Menschen für eine Typisierung zu überzeugen. “Für mich war das nichts, ich möchte nicht einmal von Aufwand reden”, sagt Fabio. Durch sein Handeln kann aber ein Mädchen weiterleben. “Ich bin kein Held. Sie ist eine Heldin, weil sie nie aufgegeben und die schwere Zeit so tapfer durchgestanden hat.”

Musikvideo veröffentlicht
Im September 2016 entstand aus dem Lied eine Musikvideo. Darin möchte Fabio dem Mädchen die Umgebung zeigen, in der er aufgewachsen ist: Friedewalde, Petershagen, Minden-Lübbecke. Denn die Sperrzeit ist beendet: Das heißt, die junge Amerikanerin könnte Fabios Kontaktdaten bekommen und zunächst einmal im Internet recherchieren. Und dann wäre der Film für sie vielleicht ein schönes, überraschendes Geschenk.

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