Ahoi auf dem Gardasee

Blickfang: Wolf-Dieter Linke und Iwana, wie sie mit ihrem Amphicar im Gardasee fahren. FOTO: JÜRGEN KRÜGER

Blickfang: Wolf-Rainer Linke und Iwona Fiegler, wie sie mit ihrem Amphicar im Gardasee fahren. FOTO: JÜRGEN KRÜGER

Der Gütersloher Wolf-Rainer Linke fährt mit seinem Amphicar auf Straßen und Gewässern und hat die Fettpresse immer mit dabei.

Manerba del Garda/Italien. Um vom Campingplatz „San Biagio“ zum Ort Manerba del Garda zu kommen, kann man die Straße benutzen oder den Wasserweg. Der Gütersloher Wolf-Rainer Linke nutzt beide – mit demselben Fahrzeug. Der 61-Jährige besitzt eines der seltenen „Amphicars“, von denen in den 1960er Jahren nur 3.878 Fahrzeuge gebaut wurden.

Sie ziehen alle Blicke auf sich
Wolf-Rainer Linke ist Oldtimer-Fan, außerdem liebt er den Gardasee, Italiens größten Binnensee. Seit rund 40 Jahren verbringt der Ruheständler seinen Urlaub im Norden Italiens. Nachdem die Behörden den privaten Bootsverkehr im nördlichen Teil des Gardasees erheblich eingeschränkt haben, zieht es den Ostwestfalen in den süd-westlichen Teil. Dort, in der Provinz Brescia in der Lombardei liegt mit Manerba del Garda ein bezaubernder Ort mit rund 5.000 Einwohnern. Der Tourismus ist die wichtigste Einnahmequelle, und so liegen in den kleinen Häfen auch zahlreiche Boote, die von den Urlaubern bestaunt werden. Doch wenn Wolf-Rainer Linke und seine Lebensgefährtin Iwona Fiegler mit ihrem Amphicar in den Gardasee stechen, ziehen sie alle Blicke auf sich. „Was ist das denn? Das gibt es doch nicht“, lauten die meisten Kommentare der Urlauber, die das rote Schwimmauto zum ersten Mal durch das blaue Wasser schippern sehen.

Antriebsschrauben lassen sich zuschalten
Noch verblüffter wirken die Gesichter, wenn Wolf-Rainer Linke das Gefährt in den See hinein steuert und wieder heraus. „Die beiden Antriebsschrauben lassen sich mit einem Hebel zuschalten. Das Amphicar fährt auch nur vorwärts oder rückwärts. Gelenkt wird mit den Vorderrädern“, erklärt der Gütersloher. Die Höchstgeschwindigkeit des 38 PS starken Gefährts liegt im Wasser bei 6,5 Knoten (12 km/h), auf der Straße bei 120 km/h. „Die bin ich aber noch nie gefahren“, sagt Linke, der das Amphicar auf einem Anhänger an seinem Wohnmobil transportiert. Beim Verlassen des Wassers legt er den ersten Gang ein, und sobald die Räder auf der schrägen Wasserzufahrt greifen, übernehmen sie den Antrieb. Linke schaltet dann einfach die Schrauben ab und fährt zu seinem Standplatz. Dabei nutzt er eine Steigung, um das, in die Karosserie eingedrungene Wasser im hinteren Teil des Amphicars zu sammeln, von wo es eine Lenzpumpe durch ein Ablassrohr heraus befördert.

Wartung aufwändig
Der Fahrspaß und die große Aufmerksamkeit haben ihren Preis. „Die Wartung ist aufwändig. Einmal in der Woche muss ich das Fahrzeug komplett abschmieren. Ich habe deshalb auch immer eine Fettpresse mit dabei“, sagt Wolf-Rainer Linke. Immerhin 13 Schmiernippel befinden sich an seinem roten Amphicar, das er vor vier Jahren im Internet gesehen und gekauft hat. Nach der Überführung aus Florida hat Linke das Cabrio aufgemöbelt, und es sieht heute glänzend aus, fast wie neu. Wie viel der Oldtimer-Fan investiert hat, möchte er nicht sagen. Der Preis aus den 1960ern von seinerzeit 10.500 Deutsche Mark dürfte heute (inflationsbereinigt rund 23.000 Euro) die Untergrenze sein. Die Angebotspreise für Amphicars schwanken zwischen 25.000 Euro und 125.000 Euro. Für Wolf-Rainer Linke ist das Amphicar purer Fahrspaß, Liebe zu Oldtimern und Investition zugleich. „Die Autos von heute haben kein Gesicht, das ist bei alten Autos anders“, sagt er. Außerdem stiegen sie im Wert. Bislang habe er mit seinen Oldtimern keine Verluste gemacht.

Amphicar
• Cabriolet mit Vierzylinderviertakt-Reihenmotor von Triumph Herald mit 1,2 Liter Hubraum und einer Leistung von 38 PS (28 kW), Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h auf der Straße und 6,5 Knoten (12 km/h) im Wasser.

• Entwickelt und gebaut vom deutschen Autokonstrukteur Hans Trippel, dem eine enge Beziehung zum Nationalsozialismus zugeschrieben wird.

• In den Jahren 1960 und 1963 wurden hauptsächlich in Berlin 3.878 Fahrzeuge hergestellt, 3.046 sind in die USA exportiert worden.

• Das Amphicar entpuppte sich als Flop. Drei Jahre nach dem Produktionsende gab es noch Neuwagen zu kaufen.

• In Deutschland sind rund 75 Amphicars zugelassen.

Film zur Geschichte (1:37 Minuten)

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