Ploschitz

Ploschitz ist ein Dorf in der Nähe von Belgrad (Serbien). Titos Partisanen haben die dort ansässigen Deutschen nach Ende des 2. Weltkrieges im Oktober 1945 vertrieben. Ploschitz war geteilt in einen deutschen und in einen serbischen Teil. Unter den Vertriebenen waren auch die Oma meiner Frau Heike, ihre Mutter (damals 8 Jahre), ihre Tante (6 Jahre) und ihr Onkel (2 Jahre). Sie alle haben sich später in Deutschland niedergelassen, ihren Geburtsort aber nie wiedergesehen. Im August 2013 sind meine Frau und ich sowie unsere beiden Söhne Fabio und Matteo mit dem Wohnmobil nach Ploschitz gefahren. Dort sind wir sehr freundlich von Jakob Futterer, dem einzig in Ploschitz noch lebenden, deutsch sprechenden Einwohner empfangen worden. Jakob Futterer war im Jahr der Vertreibung 1945 zwei Jahre alt und durfte bleiben, weil sein Opa ein Serbe war.

Ploschitz war durch einen Graben in einen deutschen und in einen serbischen Teil getrennt. Es gab keine Vermischung der Bewohner. Im Jahre 1941 lebten im deutschen Ortsteil 1.400  Bewohner. Hier ein paar Daten (Quelle: www.ploschitz.de)

• Bis Oktober 1944 waren 46 deutsche Männer im Krieg gefallen.
• Im Oktober 1944 konnten 46 Personen, hauptsächlich Schulkinder flüchten.
• Im Oktober 1944 wurden 42 Männer von den Tito-Partisanen erschossen.
• Im Januar 1945 wurden 86 Zivilisten nach Rußland verschleppt.
• Am 28. April 1945 entschied sich unser Schicksal beim Straßenkreuz:  Wer auf die linke Seite kam, mußte Ploschitz verlassen (Alte und Kinder).
• Wer auf die rechte Seite kam (nur Arbeitsfähige) blieb im Lager in Ploschitz.
• Die Nichtarbeitsfähigen kamen in das Lager Mramorak (50 km östlich von Ploschitz) und später in das Vernichtungslager Rudolfsgnad (120 km nördlich von Ploschitz).
• Die meisten Vertriebenen sahen ihre Heimat nie wieder.
• 854 Ploschitzer kamen in die verschiedenen Lager.
• Es gibt 374 Kriegsopfer.
• Heute leben noch gut 200 Personen, die in Ploschitz geboren wurden, in der ganzen Welt zerstreut.

Hier der Bericht der Zeitzeugin Karoline Novak.

11 Gedanken zu “Ploschitz

  1. Lieber Herr Krüger,
    ich freue mich so, dass ich Ihre Seite gefunden habe.
    Meine Oma, Sophie Laban (eine geborene Novak), mein Opa (Josef Laban), meine Mutter und meine Tante mussten damals flüchten. Sie sind in Wien gelandet. Oma´s Schwester – Katharina Schreiber kam nach Deutschland, in die Nähe von Stuttgart. Leider lebt nur noch meine Tante, Anna Maierhofer (geb. Laban), aber ich kann mich gut erinnern, dass Oma jährlich zum Heimattreffen nach Deutschland gefahren ist. Meine Tante weiß nich mehr viel von Ploschitz, aber dieses Buch besitzen wir auch. Das hat Oma von einem der Treffen mitgebracht. Meine Tante freut sich sicher, wenn ich ihr von Ihrer Seite erzähle. Auch die Familie Brausam ist mir ein Begriff. Wissen Sie, ob die Heimattreffen noch stattfinden ?

      • Lieber Herr Krüger, liebe Frau Steinbrecher,

        die Ploschitzer Treffen in Sindelfingen gibt es aus Altersgründen leider nicht mehr. Es gibt eine Facebookseite “Ploschitz”, falls Sie weitere Auskünfte benötigen.

        Herzliche Grüße an alle Ploschitzer aus Bayern!
        Karin Strobl

  2. Lieber Herr Vorreiter,
    wir wohnen in der Nähe von Minden, und dort wohnt mit Klara Büsking eine in Ploschitz geborene Novak. Das müsste die Nichte ihrer Oma sein. In Minden leben auch noch die beiden Neffen Ihrer Oma, Andreas und Jochen Novak. Und meine Frau Heike hat heute mit Susanne Finke, der Tochter von Jochen Novak, Sport getrieben. Elizabeth, die Schwester ihrer Oma, ist also die Oma von Susanne Finke, die Friedewalde wohnt, genauso wie wir. So klein ist die Welt. Ihre Oma heißt Barbara, oder?

    Liebe Grüße, Jürgen Krüger

    • Lieber Herr Krüger,

      auch mein Schwiegervater (85) wurde in Ploschitz geboren.
      Er heißt Dorn Josef und ist der Sohn von Dorn Michael und Dorn Katharina (geb. Nikels).
      Seine Geschwister Magdalena (89) und Barbara/Betty (86) leben ebenfalls noch.

  3. Every once in a while I surf the internet looking for pieces of my family history. In particular, images from Ploschitz. My Oma, who is now 97, has dimentia. Almost every day she asks us where she is. “Am I in Ploschitz” she asks. We tell her no, you are in America, and then she cries. All of her sisters have passed away, including her sister Elizabeth who coincidentally was married to a Novak. I want to thank you for sharing your images. I try to spark Oma’s mind with memories from the past. She often looks through a book we purchased that was published using the resources from survivors of WWII. This is her connection to her past. One day I too will travel to see where she grew up. Her name is Barbara Schubert. Thank you again.

    • Mr. Vorreiter,
      I am researching my daughter’s parents-in-law. The mother-in-law has ancestry in Ploschitz–we know it as Kevepallos on the passenger list–on the father’s side. The family name is Novak, Catholic. I am wondering whether the church records can be found at Ploschitz or back in Hungarian archives. The Novaks left Kevepallos in 1912 for the US.

  4. Das ist ja interessant. Meine Grosseltern mit Kinder (meine Mutter, Tante) und mein Vater kommen ebenfalls aus Ploschitz in der gleichen Zeit und mussten nach dem Krieg das Land Richtung Deutschland verlassen. Ich weiss nicht viel aus dieser Zeit. Alle meine Angehörigen die dort gelebt haben sind bis auf meine Mutter und Tante schon gestorben. Es berichtet niemand mehr über die Zeit dort, es muss auch viel grauenvolles geschehen sein. Vielleicht werde ich auch einmal dorthin auf “Spurensuche” gehen.
    Mfg Matthias

    • Die Ploschitzer waren und sind in ganz Deutschland und Österreich verstreut. In meinem Dorf Friedewalde haben sich einige, vielleicht zehn Personen, niedergelassen. Unter anderem auch das Ehepaar Brausam. Viele Ploschitzer sind nach ihrer Vertreibung zunächst ins Lager Rudolfsgnad (Serbien, zwischen Belgrad und Novi Sad, rund 120 Kilometer von Ploschitz entfernt) gekommen. Meine Schwiegermutter und ihre Familie waren dort zum Beispiel acht Jahre lang, bevor das Lager aufgelöst wurde und sie nach Deutschland fliehen konnten.

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