“Das hält mich fit”

Im Blaumann: Die 77-jährige Inge Berane fährt immer noch Öl aus – allerdings nur noch morgens. Fotos: Jürgen Krüger

Minden. Ob sie die älteste noch aktive Tanklastwagenfahrerin Deutschlands ist, weiß Inge Berane nicht. Die Wahrscheinlichkeit ist aber groß. “In Ostwestfalen-Lippe stehe ich damit ziemlich alleine da”, sagt die Rentnerin, die Ende der 1960er Jahre ihren Führerschein der Klasse 2 machte. Gemeinsam mit Sohn Thomas liefert die 77-Jährige Tag für Tag Heizöl aus. Das Unternehmen hatte ihr Großvater Wilhelm Stockmann im Jahr 1912 in Todtenhausen gegründet – als Kohlenhandel.

Abenteurlicher Tankwagen der Marke “Eigenbau”
Im Jahr 1974 übernimmt Inge Berane die Firma gemeinsam mit ihrem Ehemann Herbert. Neben dem Kohlenhandel baut sich das Ehepaar mit dem Ölvertrieb ein zweites Standbein auf. Zunächst liefern sie das Öl auf abenteuerliche Weise aus, indem sie den alten Kohle-LKW nach Bedarf mit einem 2.000-Liter-Heizöltank umrüsten. Ende der 70er Jahre schafft sich die Firma Stockmann/ Berane den ersten richtigen Tankwagen an. Nach und nach bauen sich Inge und Herbert Berane ihren Kundenstamm auf, und liefern weit über die Grenzen Todtenhausens hinaus Öl und Kohle. Während der Urlaubszeit übernimmt Sohn Thomas die Arbeit.

Das ist schwer: Inge Berane zieht den 50 Meter langen Schlauch, der immer mit Öl gefüllt ist, von der Rolle.

“Unsere Kunden lasse ich nicht im Stich”
Im Dezember 1994 schlägt das Schicksal dann zu: Herbert Berane stirbt im Alter von nur 55 Jahren. Inge Berane steht nun alleine vor der Aufgabe, das Unternehmen fortzuführen. Es gelingt der Geschäftsführerin des zur GmbH umfirmierten Familienbetriebes, auch dank der Hilfe ihrer Kinder Britta und Thomas. 1997, als der Kohle-LKW seinen Geist aufgibt, beschränkt sich die Firma auf den Ölvertrieb. Mit Eintritt in das Rentenalter im Jahr 2005 überträgt Inge Berane die Geschäftsführung auf Sohn Thomas, fährt aber morgens weiterhin Öl. „Das hält mich fit“, sagt die 1940 geborene Unternehmerin, die zu vielen Kunden eine über das normale Geschäft hinausgehende Beziehung pflegt. “Einige laden mich sogar zum Kaffee ein”, sagt sie. Weit mehr als eintausend Stammkunden vertrauen der Firma Stockmann/Berane Brennstoffe. Durch die Arbeitsteilung beliefern Mutter und Sohn ihre Kunden auch nach Feierabend und sogar am Samstag, wobei derjenige den Vorrang bekommt, der schon im Kalten sitzt. “Unsere Kunden lasse ich nicht im Stich.” Das kommt gut an und soll auch so bleiben.

Sie wäre gerne Tierpflegerin geworden
Ganz aufhören möchte die 77-Jährige noch nicht, auch wenn ihr das Schleppen des 50 Meter langen Schlauches, der immer voll ist mit Öl, hin und wieder zur Last wird. Inge Berane hält sich sportlich fit, indem sie jeden Morgen einige Bahnen schwimmt. Kraft tankt sie bei ihren Urlaubsreisen nach Afrika. Schon als Zweijährige habe sie den Worten ihrer Mutter zufolge im Zoo immer geweint, wenn sie keinen Elefanten mit nach Hause nehmen durfte. Und wenn sie nicht in den 1950er Jahren eine kaufmännische Ausbildung gemacht und zunächst Erfahrung in einer Spedition gesammelt hätte, dann wäre sie gerne Tierpflegerin geworden. “Aber nach den Berufswünschen hat damals niemand gefragt”, sagt Inge Berane.

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