Grün und Weiß: Traditionen, Legenden, Leidenschaft

Urgesteine des Handballs: Friedrich Spannuth (l.) und Erich Klose bei der Buchpräsentation im Mindener Museum. FOTO: JÜRGEN KRÜGER

Urgesteine des Handballs: Friedrich Spannuth (l.) und Erich Klose bei der Buchpräsentation im Mindener Museum. FOTO: JÜRGEN KRÜGER

Minden. Als Friedrich Spannuth eine Passage über das Porträt seines ehemaligen Feldhandballtrainers Erich Klose vorliest, stockt ihm die Stimme, seine Augen füllen sich mit Tränen. „Ja,“, sagt der heute 77-Jährige, „ich habe Erich Klose viel zu verdanken.“ Es ist der emotionalste Moment bei der Präsentation des Buches „Grün und Weiß – Traditionen, Legenden, Leidenschaft“ und der Abschluss der Feierlichkeiten zum 90. Geburtstag von GW Dankersen in diesem Jahr.

Unter Erich Klose reift eine Jahrhundertmannschaft heran.
Als Friedrich Spannuth aus dem Buch vorliest, sitzt ihm sein ehemaliger Trainer nämlich gegenüber.  Erich Klose, 1926 in Oppel (Oberschlesien) geboren, bleibt nach Ende des zweiten Weltkrieges 1945 als Soldat „in Minden hängen“, wie er sagt. Gemeinsam mit Lehrer Fritz Homann kümmert er sich um sportliche Ausbildung der Kinder und Jugendlichen in Dankersen – einem Vorort von Minden, „wo damals nicht einmal ein Bus hinfährt“, wie Friedrich Spannuth sagt. Unter der Regie von Erich Klose entwickelt sich eine Art Dankerser Jahrhundertmannschaft, die die Grundlagen dafür legt, dass GWD Minden heute in der Handball-Bundesliga spielt. Arnhold Kresse, Friedrich Spannuth, Herbert Lübking und Helmut Meisolle sind die ersten Dankerser Nationalspieler. Ausnahmetalent Herbert Lübking wird sogar Rekordnationalspieler sein und gemeinsam mit dem Rothenuffelner Erwin Heuer als ewiger Feldhandball-Weltmeister von 1966 in die Geschichte eingehen.

Basis für die “Mutter aller Derbys”
Das mittlerweile im August dieses Jahres gespielte 63. Derby zwischen GWD Minden und dem TuS Nettelstedt-Lübbecke hat seinen Ursprung Anfang der 1970-er Jahre. Als nach dem Gewinn der zweiten Deutschen Feldhandballmeisterschaft am 16. August 1970 im Mindener Weserstadion Dankersens Nationalspieler Herbert Lübking seinen Wechsel von der Bundesliga in die Kreisklasse zum TuS Nettelstedt bekannt gibt, platzt in der deutschen Handballwelt eine Bombe. Der damals 28-Jährige Lübking, der am Tag der Buchveröffentlichung (Donnerstag, 23. Oktober 2014) 73 Jahre alt wurde, begründet diesen Schritt mit „der beruflichen Absicherung nach Ende meiner Handballkarriere“.

Von der Kreisklasse bis in die Bundesliga
Unternehmer Hans Hucke will seinerzeit den TuS Nettelstedt aus den Niederungen der Kreisklasse führen. Vor Lübking wechselten bereits Trainer Erich Klose, Jürgen Glombek und Erwin Heuer von Dankersen nach Nettelstedt. Der Plan von damals geht auf: Dem TuS Nettelstedt gelingt der Durchmarsch von der Kreisklasse bis in die Bundesliga. Am 18. September 1976 kommt es zum ersten Derby in Hallenhandball-Bundesliga zwischen GW Dankersen und dem TuS Nettelstedt, das GWD in der Mindener Kreissporthalle mit 19:15 gewinnt. Dieses Derby wird deshalb auch als „die Mutter aller Derbys“ bezeichnet.

Mein  Beitrag: Kapitel über Feldhandball und fünf Porträts
Herausgeber des Buches über GW Dankersen ist Philipp Koch. Der Bad Oeynhausener Historiker und Wirtschaftswissenschaftler ist zugleich Leiter des Mindener Museums und Vorsitzender des Handballkreises Minden-Lübbecke. Koch und sein Autorenteam haben rund ein Jahr lang an dem reich bebilderten Werk gearbeitet. Das Kapitel im neuen GWD-Buch über die Feldhandballzeit habe ich geschrieben, dazu noch die Porträts über Herbert Lübking (mit Nicole Bliesener), Helmut Meisolle, Gerhard Buddenbohm, Erich Klose und Siegfried Nolte. Zufrieden stellt Vereinschef Horst „Hotti“ Bredemeier fest: „Es steckt viel Arbeit drin, aber es hat sich gelohnt.“ Für junge Leser sei es eine spannende Rückschau, den älteren biete es „Stoff zum Schmunzeln auf dem Sofa“.

Handball

Das Buchcover.

Infos zu Buch und Ausstellung
• Ab sofort ist das Buch zum Preis von 25 Euro bei Sport Meisolle in Dankersen, im Mindener Museum, in der GWD-Geschäftstelle, bei Express Tickets an der Obermarkstraße sowie bei den GWD-Heimspielen in der Kampa-Halle erhältlich.
• Begleitend zum Buch gibt es im Mindener Museum derzeit eine Sonderaustellung über die Geschichte von GW Dankersen. Noch bis zum 5. Januar sind dort verschiedene Exponate, insbesondere aus der glorreichen Zeit der 1960-er und 1970-er Jahre zu sehen.
• Das Museum Minden hat von Dienstag bis Sonntag in der Zeit von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Sonderöffnungszeiten für Gruppen seien auf Anfrage möglich, Telefon (05 71) 9 72 40 20. Mehr Infos: www.museen-minden.de

Gelungen: Ein Blick in die Sonderausstellung über GW Dankersen im Mindener Museum. FOTO: JÜRGEN KRÜGER

Gelungen: Ein Blick in die Sonderausstellung über GW Dankersen im Mindener Museum. FOTO: JÜRGEN KRÜGER

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